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Baumwall, für Mostro

February 24, 2010

Ich verbürge mich für die Authenzität des nachfolgenden Berichts, ich habe es selbst miterlebt!

„Verfluchte Mistbrühe!“ schrie Skagen Skagarak über das Deck. Er ging, mit seinem Holzbein wütende Stakkati auf das Eichenholz klopfend, zum Bugsteven, um dem dort hilflos in den dichten Nebel stierenden Ausguck und Loter zu Hilfe zu kommen. „Hamburch müsste doch längst auszumachen sein!“ Die schnittige Schaluppe tastete sich durch Schwaden um Schwaden nachtdunklen, dicht dampfenden Dunstes. Hie und da stachen Spiere und Rigg heraus und gaben ein gar schauriges Bild ab.

Einem am Ufer biwakierenden Hausierer wurde dies gewahr; er weckte seinen Lehrling mit einem Stoss und hauchte: „Da! Die Joeksche Deern! Das ist der Schreckliche Skagen Skagarak und seine Friedlosen Fluss-Filibuster. Die haben es wieder auf die armen Teufel in Hamburch abgesehen! Wenn alles schläft, kommen die die Elbe entlang, fahren in den Binnenhafen, rauben Waren von den Schiffen dort. Oft schon haben sie ganze Schiffe als Prise erbeutet, ja auch gesamte an Bord schlafende Mannschaften verschleppt und später als Sklaven und Leibeigene verkauft!“

„Beim Klabautermann, verdammter Mess, das gibt es doch nicht, in dem Schietwrasen ist nichts zu sehen!“ schrie Skagen Skagarak in die Nacht hinaus. Er verkrallte seine gesunde Hand um den Steven, während er den am anderen Arm befestigten Eisenhaken ins Tauwerk hängte. Er lehnte sich weit über die Bordwand, als könne er so besser sehen.

Plötzlich war dumpfes Dröhnen zu hören, die Joeksche Deern prallte mit exorbitantem Erzittern auf ein Hindernis. Skagen Skagarak wurde erst newtonschen Gesetzen folgend über Bord gerissen, um dann, da er noch im Tauwerk wie an Hosenträgern verhakt war, wieder zurück mit gekonnt aussehendem Salto an Deck geschleudert zu werden, wo er kopfüber in einer Salzheringstonne stecken blieb und seine ungewaschenen Unterbuchsen manifestierte.

Kurz darauf pfiffen Musketengeschosse durch die Takelage, die die Segel durchlöcherten und Aufbauten zersplitterten. Die Joeksche Deern wurde nun von der handfesten Hamburger Binnenhafenwache geentert, Skagaraks Mannen ohne viel Aufhebens festgenommen und er selbst in seinem Fass abtransportiert.

Für eine Woche standen die Friedlosen Fluss-Filibuster in Eisen geschlagen am vor einigen Tagen erst fertig gestellten Baumwall, der zum Schutze des Binnenhafens errichtet worden war und der ihn des Nachts unpassierbar machen sollte. Der Schreckliche Skagen Skagarak wurde jedoch, zum allseitigen Amüsement, in seinem peinlichen, aber verdienten Zustande im Fass ausgestellt, und die Hamburger Bevölkerung zeigte mit Fingern auf ihn, lachte ihn aus oder spuckte ihn an. Die Joeksche Deern letztendlich wurde zu Zahnstochern und Harken für Katzenklos zerschreddert.

So endete die Zeit der Schockschwerenot unter dem Schrecklichen Skagen Skagarak und seiner Friedlosen Fluss-Filibuster auf der Elbe.

One Comment leave one →
  1. ottogang permalink
    February 25, 2010 20:04

    habe es selbst miterlebt!
    wie denn?
    Als biwakierender Hausierer ?
    Aber wenigstens konnte die Joeksche Deern noch einem guten Zweck dienen, fürs Katzenklo.
    Schöne Geschichte.

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