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How much is this in real money?

May 29, 2010

In meiner vorangegangenen Auftragsschmähschrift mit dem Titel “God save America” für einen Fremdblog habe ich erwähnt, dass ich über eine kleine Sammlung von… äh, Amerikanismen verfüge, die ich, da die Tastatur nun schon einmal vorgeglüht ist und wichtigere Aufgaben mit Leichtigkeit verschoben werden können, sonst vergessen könnte. Und, da ich naiv bin frage ich, kann man denn Amerikaner hassen, wenn sie so … so skurril sind? Ihr Terroristen und Amerikahasser, lacht doch einmal herzlich über sie, das täte Euch, glaube ich, generell mal ganz gut. Immerhin ist Uncle Sam wie ein peinlicher Onkel, den fast jede Familie hat. Und letzteres weiß ich genau, ich bin er meiner Familie.

In einer englischen Zeitung wurde über eine kommende Gemeinschaftsproduktion der BBC mit einem führenden US-Fernsehsender berichtet. Man wollte Charlotte Brontës Jane Eyre fürs Fernsehen aufnehmen, aber ein wichtiger Produzent aus Amerika stellte in einem Schreiben an die BBC fest, dass seine Landsleute die Schriftstellerin und ihr Werk kaum kannten und sie sich doch besser vorab auf eine Lesereise durch die USA begeben möge.

Der britische Film “The Madness Of King George” (zu deutsch “Ein Königreich für mehr Verstand” – es wird Zeit, dass ich auch mal über den regierenden Schwachsinn der deutschen Filmtitelübersetzer schreibe!), mit dem grandiosen Sir Nigel Hawthorne und der stets königlichen Dame Helen Mirren, sollte ursprünglich und historisch korrekt wie das Bühnenstück, auf dem er basierte,  “The Madness Of King George III” heißen. Nach Screentests in den USA ließ man die “III” jedoch fallen, weil amerikanische Kinogänger den Film nicht gerne sehen würden, bevor sie Teil I und II gesehen hätten.

Ein guter Freund, in dessen Haus in Englands Cotswolds ich eine Weile lebte, war Limousinenfahrer, der vornehmlich reiche Amerikaner am Flugplatz in Heathrow abholte und durch Old England fuhr. Bei einer Tour durch das pittoreske Cornwall, ich glaube, es war das verwinkelte hutzelige Fischerdorf Mevagissey, in dem es nur schmale Gässchen gab, durch die noch nicht mal ein Kabeljau quer durchpassen würde, regte sich die doch recht rotunde Amerikanerin im Fond auf, warum man die Straßen denn nicht verbreitern könnte, das sei doch so rückschrittlich. Sie wollte meinem Freund nicht glauben, dass die Menschen hier eigentlich sehr glücklich sind, dass sie keinen Freeway haben.

Ein anderer Amerikaner wurde von ihm durch das recht alte und schmucke Windsor gefahren, das vom Heathrower Fliegerhafen nur ein Gepäckwurf entfernt liegt. Sie hielten alsbald im Royal Park und hatten einen wahrlich vortrefflichen Blick zurück auf Windsor Castle, der Queen Wochenendhäuschen. Nun ließ sich nicht vermeiden, dass Flugzeuge hie und da durch die majestätische Vista eilten, und plötzlich hörte mein Freund, wie sein Fahrgast sich zu echauffieren anhub. Er fragte, ob denn alles in Ordnung sei, worauf er zu hören bekam: “Wie kann man nur so verfickt bescheuert sein, solch eine schöne Burg in der Nähe eines Airports zu bauen? (Dies hat sich wahrhaftig so zugetragen, ich flunker’ nicht!)

Dann hatte ich von einem Kurator der Victory, Lord Nelsons Flaggschiff bei der Schlacht von Trafalgar, gehört, dass eine Amerikanerin beim Anblick eines alten, in einer Nische der Kapitänskajüte verborgenen Bakelitfernsprechers fragte, ob der schon zu Nelsons Zeiten hier stand. Hat er gar mit seinem Maschinenraum damit telefoniert?

Meine Lieblingsanekdote jedoch ist gar keine: In einem Bundesstaat der USA ist es dem Manne verboten, beim Sex mit einer Frau eine Schusswaffe ein- oder mehrmals abzufeuern. Ich finde es ist Zeit, dass alle anderen Staaten und alle Staaten der Welt dieses Gesetz übernehmen. Meine Musketenkugelrechnung wird mir nämlich langsam zu hoch und selbst Haubitzen sind dann verboten.

11 Comments leave one →
  1. richensa permalink
    May 29, 2010 16:15

    Wunderbare Sammlung, Herr Badbury… aber sag mal, wo bestellst du denn deine Musketenkugeln, ich bräuchte einen seriösen Lieferanten 😉

    • May 31, 2010 10:34

      Na eigentlich darf ich ja eine Musketenkugeln haben, sagt die Mami, seit ich mir vor hundert Jahren eine in die Nase gepfriemelt habe. Seitdem verschieße ich an die Muskete gebundene Korken. Dank Euch beide für die netten Worte.

  2. FrauMüller permalink
    May 30, 2010 15:03

    hello badbury,

    *quietschvergnügtfrechgrins….. und selten so gelacht !

    Dank´Dir für die vergnügten Momente ..und kicher immer noch

    herzliche Grüsse aus dem WildenSüden -(bist Du noch im Weißen Schloß?)

    Elke

  3. June 3, 2010 19:51

    Hach, schön. Solche Anekdoten sind wie gemütliche, warme Wollsocken. Man sollte immer ein paar in der Schublade haben.

    1998 betrat ein junger Mann ein Post Office in New York City; er wollte eine Sendung nach Deutschland aufgeben. Der Mann am Schalter überlegte, blätterte in einem dicken Verzeichnis, telefonierte kurz und fragte dann den Kunden: »Which Germany do you mean? There are two in Europe.«

  4. July 25, 2010 10:25

    Ein böse Behauptung lautet, dass die US-Amerikaner ihre Kriege immer im fernen Ausland führen, weil sie so ihren Soldaten praktischen Geographieunterricht erteilen können.

    • July 25, 2010 11:43

      Es ist ja auch was Schönes, mal auf andere Leute zu schießen als immer nur auf sich selbst. Auf Briten zum Beispiel.

  5. fleischfee permalink
    March 29, 2012 21:39

    Hey, ich frage mich wieso das hier der letzte Beitrag war. Kommt da noch was? Würde mich freuen über Neuigkeiten.

    LG Sue

  6. September 8, 2013 19:21

    Wie wunderbar! 🙂 🙂

    • September 9, 2013 18:10

      Nee, hat er nicht. Sich von dannen gemacht. Ihm fällt nur nichts mehr ein. Vielen Dank für die Erdbeeren, äh Lorbeeren.

  7. September 8, 2013 19:25

    Schade, dass her so lange nicht Neues gepostet worden. Dieser Blog ist großer Klasse. Ich schätze der Verfasser ist endeckt worden. Und hat sich von dannen gemacht.

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