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Drei Männer auf Bummelfahrt (für Hamburg2Go)

March 21, 2014

(nicht zu verwechseln mit Jerome K. Jeromes wundervollem Buch von 1900 – wenn Sie das hier lesen, merken Sie ohnedies, dass man es nicht verwechseln kann… leider)

Der von zu Hause aus sehr vornehme, gemeine Hamburghanseat hat gern die Heimatstadt im Herzen, während er die Welt umspannt. Aber er hat auch noch den altvorderen Nabel der Welt im Herzen – was anatomisch gesehen ein Fall für das Uniklinikum Eppendorf wäre – nämlich London und auch alles Englische.

Man trägt mit Vorliebe englisch sartoriale Erzeugnisse, die gut sitzen. Sitzt gern im englischen Roadster oder im Anglo-German Club, trinkt Tee und plauscht über der Queen Geburtstagsparade. Oder paradiert über das vom Regen aufgeweichte Grasareal des Hamburger Polo Clubs am heiligen English Flair-Wochenende im Sommer (9. und 10. August 2014, wir werden berichten). Hamburg sieht sich obendrein gern als 34. Stadtbezirk Londons und all das kulminiert in hiesiger Maxime und Lebenseinstellung: Wenn es in London regnet, spannt der Hamburger seinen Schirm auf.

Es gibt noch eine wichtige Gemeinsamkeit. Sobald in der berühmten – aber auch wirklich weit überschätzten – ewigen Wolkendecke Englands und Hamburgs ein Loch in der Größe einer Pfundmünze klafft, wird von den meteorologisch sehr wachsamen Gastronomen in Windeseile jeder Fleck Bürgersteig mit allerlei Gestühl, Sitzkissen, Decken und Heizpilzen aufmöbliert, denn den Engländer und Hamburger zieht es dann an die frische Luft und es wird ihn nichts aufhalten können. Es gibt daher auch keine Städte in Europa, die mehr Cabrio-Zulassungen haben, als die an Themse und Alster.

Und jetzt – da Sie sich längst gefragt haben, ob all der vorangegangene Schmus nicht falsch betituliert ist – gehts los. Der Herausgeber dieses Stadtmagazins, von seinen Kollaborateuren gern Mr Frank genannt, wurde seitens der Firma Tesla mit einem sehr schmucken Tesla Model S ausstaffiert. Dieses herrliche Gefährt, über das Mr Frank auf anderer Seite berichtet, ist Stammhalter moderner, sportlich schnittiger “Hatchbacks” wie Maserati Quattroporte, Porsche Panamera oder Aston Martin Rapide S. Er wird aber überraschenderweise von einem sehr rasanten Elektromotor beflügelt, der natürlich so leise ist, dass beim gemütlichen Dahingleiten die Fagottpianissimi im ersten Satz von Tschaikowskis Pathétique allesamt zu hören wären.

Nun, dies ist kein Autoartikel, das kann Mr Frank besser, sie werden von mir nichts hören über Beschleunigungsparagraph, Drehmomentvergütung, Kardanwellenbeleuchtung oder Leerlaufschmiernippel. Der Grund dafür: Ich habe keine Ahnung und will sie auch nicht haben. Ich möchte Ihnen vielmehr vom Automobil als Kulturobjekt oder besser davon berichten, wie das Ka-Eff-Zett die Lebenskultur steigern kann.

Uns ward also letzten Sonntag gutes Wetter beschert. Es gab ein Wolkenloch, so groß wie alle Pfundmünzen in der Bank of England, und die Sonne schien aufs Vorzüglichste. Mr Frank, Mr Mikel, seines Zeichens Kämpe aller elektrischen Mobilität, sowie Ihr Schreiber dieser Zeilen inthronisierten den stark-e-motorisierten Tesla, um entlang der B75 zur Ostsee zu kommen. Die beiden Herren wollten den Wagen und seine Alltagstauglichkeit einem grundsoliden und erschöpfenden Test unterziehen. Ich wiederum – wollte an die See.

Die B75 zwischen Hamburg und der Baltischen führte uns wunderbar am Ahrensburger Schloss und am sehr pittoresk gelegenen Gut Blumendorf vorbei und wir erreichten das Seebad Scharbeutz, unser Ziel, zur sehr ausgelassenen Begeisterung der Anwohner und Märzsommerfrischler. Alle Augen waren auf uns gerichtet, Fotoapparate und Mobiltelefone wurden gezückt, Blitzlichter durchfluteten die Seebrise, Kinder zeigten freudig auf uns, Frauen lächelten uns zu, selbst Männer sahen uns wie animalisch angezogen an. Natürlich nicht uns. Unseren Tesla.

Wir trafen Freunde, saßen und aßen im Wintergarten eines italienischen Restaurants mit Blick auf die verträumt stille See, defilierten entlang der sehr angenehmen Strandpromenade, verweilten bei Kaffee und Wein im Pavillon des Café Wichtig, begutachteten das in ein paar Wochen öffnende Bayside Hotel und fuhren zu fünft nach Timmendorfer Strand. Wir hielten dorten kurz am Rathaus, um uns von unseren Freunden zu verabschieden und den Tesla erneut von den ihn unverzüglich umringenden Passanten mannigfach ablichten zu lassen.

Anschließend begaben wir uns in die opulent betürmte, schöne Hanse- und Marzipanstadt Lübeck, um an den Media Docks – die leider nicht wie die altiranischen Hafenanlagen aussahen, wie ich sie mir auf meinem Rücksitz ausgemalt hatte – den nagelneuen Tesla vor alten Kränen und Hafengebäuden und einem exquisiten halbroten und halbwolkendurchwirkten Abendhimmel zu fotografieren.

Auf der Fahrt über die Autobahn gen heimatlicher Hansestadt wurden wir von einer hypnotisch durch blattlose Bäume scheinenden, strahlend roter Sonne begleitet, die, als wir den Fischmarkt für einen letzten Fotostopp erreichten, längst untergegangen war, aber als ein himmlischer Abglanz in Blaurotrosa nachhallte. Zu guter letzt kam gerade noch rechtzeitig das staunenswerte, 366 Meter lange Containerschiff COSCO Faith in den Vorhafen von Steinwerder, um einen Blick auf den Tesla zu erhaschen.

Sie fand ihn gut. So wie wir. Dank ihm und dem Wetter war es eine famose Ausfahrt ins Blaue.

One Comment leave one →
  1. March 21, 2014 15:18

    Das Hinausstellen allerlei Gartenmobiliars haben die hauptstädtischen Gastronomen mit den hanseatischen gemein, schickt die Sonne einen Strahl oder zwei und steigen die Temperaturen über 10°, schon steht das Gestühl vor den Etablissements und das Volk lässt sich nieder und freut sich. Die hiesigen Cabriofahrer (davon gibt’s hier auch mehr als in Italien) fahren ihr decapotabile schon bei 4° oben offen über den Ku’damm – man hat ja schließlich eine gute Heizung. Habe ich, bevor ich meinen Z3 gegen einen C3 (mit dem ich übrigens gerade an die Ostsee gefahren bin, keine guckt) tauschte, auch gemacht.

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